Mit «Kino des Unsichtbaren» ist Bruno Brandes, Theaterautor und -regisseur, mit einer für das Kino inszenierten Arbeit zu Gast. Mit seinem Team entwickelt er einen Abend, der Theateraufführung, Live-Film, Performance und Konzert vereint. Im Zentrum steht eine Verschiebung der Rezeptionssituation: Das Publikum erlebt nicht nur das fertige Narrativ, sondern dessen Herstellung selbst.
Das Kino als Ort der Trennung zwischen Bild und Publikum wird in der Inszenierung zum performativen Raum. Die architektonischen Eigenheiten des Filmpodiums und der Vorführungsprozess werden dabei Teil der Inszenierung: Mehrere Live-Kameras übertragen Aufnahmen aus verschiedenen Räumen des Kinos direkt auf die Leinwand. So entsteht das Bild nicht nur im Saal, sondern auch hinter den Kulissen und damit am eigenen Produktionsschauplatz. Die Welt jenseits des Screens wird zum schwebenden Raum, in seinem Dunkel schimmern und glimmen Erkenntnisfunken, die uns bei üblichen Filmvorführungen meistens verborgen bleiben, es wird ausgelotet, was im Gezeigten sichtbar wird und was in der Unsichtbarkeit verharrt.
Denn Kino ist auch der Ort, an dem wiederkehrende gesellschaftliche Narrative unsere Gegenwart spiegeln, wo in der Wiederholung genormter Bilder kulturelle Grenzziehungen zwischen richtig und falsch, sichtbar und unsichtbar, zugehörig und ausserhalb gefestigt werden. Bruno Brandes zeigt, dass der Film aber ebenso Räume für andere Vorstellungen eröffnen kann: für Möglichkeiten jenseits des Vertrauten, für andere Formen des Zusammenlebens und für Bilder einer Welt, die noch nicht Wirklichkeit ist.
Gefördert durch die Kulturförderung der Stadt Zürich, die Elisabeth Weber-Stiftung und die Hans F. Tellenbach Stiftung.
Schweiz 2026, Deutsch, 70'
TEXT und REGIE Bruno Brandes PERFORMANCE Edith Kaupp Rivadeneira, Moritz Sauer, Sangita Singh Gangar BÜHNE Lea Burkhalter KOSTÜM Jakob Hodel VIDEO Toni Lind KAMERA Lina Doll, Stella Pozzi OUTSIDE EYE Ilario Raschèr, Sarah Calörtscher.