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Careless Crime
(Jenayat-e bi deghat)
Shahram Mokri (Iran 2020)

English review

Während des Aufstandes zum Sturz des Schah-Regimes im Iran in den späten Siebzigerjahren steckten manche Demonstranten Kinos in Brand, um ihren Widerstand gegen die westliche Kultur zu zeigen. In einem tragischen Fall wurde ein Kino angezündet, in dem sich 400 Menschen befanden, und die allermeisten kamen ums Leben. 40 Jahre sind vergangen, und im heutigen Iran beschliessen vier Personen, ebenfalls ein Kino niederzubrennen. Ihr Ziel ist ein Kino, in dem ein Film namens Careless Crime über eine nicht ausgegrabene, nicht explodierte Rakete gezeigt wird. Werden Vergangenheit und Gegenwart aufeinandertreffen?
Shahram Mokri zählt zu den spannendsten Cineasten der Gegenwart. Während andere Filmschaffende das Prinzip des endlosen Plan séquence verwenden, um eine lineare Handlung in einem atemlosen Zug zu erzählen, gelang Mokri in seinen One-Take-Filmen Fish & Cat (2013) und Invasion (2018) das Kunststück, die Linearität der Erzählzeit von der Linearität der erzählten Zeit abzukoppeln: Ereignisse wiederholen sich, aus unterschiedlichen Perspektiven, ohne dass je geschnitten würde.
In seinem neuen Film Careless Crime (2020) verzichtet Mokri zwar auf das Prinzip des One-Take, doch die erzählerischen Schleifen sind geblieben und werden obendrein mit verschiedenen Wirklichkeitsebenen verwoben. So kommen in dem Film namens Careless Crime, der in dem von einem Brandanschlag bedrohten Kino gezeigt wird, zwei Frauen vor, die sich in den Bergen Masoud Kimiais Film The Deer ansehen wollen, der 1978 in dem Kino in Abadan lief, das von Demonstranten (oder Agenten des Schahs?) in Brand gesteckt wurde. Der eine Attentäter von heute, der gleich heisst wie der überlebende Brandstifter von 1978, sieht sich im Filmmuseum einen Stummfilm über Brandkatastrophen in Kinos an. Den recht unbedarften Attentätern stehen Angestellte des Kinos gegenüber, deren achtlose Entscheidungen zu einer Katastrophe beizutragen drohen.
Magischer Realismus und absurde Poesie mischen sich bei Mokri mit beissender Satire. Wie der Regisseur selbst sagt: «Ein gedankenloses Verbrechen versucht, bedeutsame historische Ereignisse nachzubilden. Dieser Film jedoch versucht nicht die Geschichte nachzubilden; vielmehr handelt er vom Kino an sich.»

Drehbuch: Nasim Ahmadpour, Shahram Mokri
Kamera: Alireza Barazandeh
Musik: Ehsan Sedigh
Schnitt: Shahram Mokri

Mit: Babak Karimi (Mohsen), Razie Mansori (Elham), Abolfazl Kahani (Takbali), Mohammad Sareban (Faraj), Adel Yaraghi (Majid), Behzad Dorani (Fallah)

134 Min., Farbe, DCP, Farsi/d

Spieldaten
So.,
20.6.2021
11:00
in Anwesenheit des Regisseurs