Beim titelgebenden, nie gesehenen Michele handelt es sich um den jüngsten Sohn einer bürgerlichen Familie, der aufgrund seiner Verwicklung in die 68er-Bewegung aus Rom flieht. Mit Familie und Freunden bleibt er in regem Briefkontakt und bittet sie, sich seiner Ex-Freundin Mara anzunehmen, mit der er ein gemeinsames Kind zu haben glaubt – und für die Micheles biedere Familie gleichzeitig Feindbild und Überlebensgrundlage darstellt. (lf)
«Die radikalisiert-bewaffnete Linke war zu einem nicht geringen Teil im Bürgertum, der Mittel- und Oberschicht verwurzelt. Natalia Ginzburgs Briefroman ‹Caro Michele› gilt als das erste bedeutende Werk der italienischen Literatur, das sich mit diesem Phänomen beschäftigte. Monicelli scheint eine starke Nähe zu Ginzburg gespürt zu haben – zumindest wurde Caro Michele zu einem der einfühlsamsten wie zerbrechlichsten Werke seines Schaffens.» (Olaf Möller, Österreichisches Filmmuseum)
«Ich liebe ‹Caro Michele›. Wann immer Leute mich fragten, ob ich einen Roman schreiben möchte, antwortete ich: ‹Ginzburg schreibt ihn bereits für mich.›» (Suso Cecchi D’Amico, in: Scrivere con gli occhi. Il cinema di Suso Cecchi D’Amico)
Drehbuch: Suso Cecchi DʼAmico, Tonino Guerra, nach dem gleichnamigen Roman von Natalia Ginzburg
Kamera: Tonino Delli Colli
Musik: Nino Rota
Schnitt: Ruggero Mastroianni
Mit: Mariangela Melato (Mara Castorelli), Delphine Seyrig (Adriana Vivanti), Aurore Clément (Angelica Vivanti), Lou Castel (Osvaldo), Fabio Carpi (Fabio Colarosa), Marcella Michelangeli (Viola Vivanti), Isa Danieli (Livia)
103 Min., Farbe, 35 mm, I/e