Mit einer Unmenge gestohlener Dollar und einem sehr schlechten Gewissen im Koffer landet eine junge Frau in einem schäbigen Motel, dessen höflicher, körperlich und charakterlich jedoch etwas schlaksiger Betreiber lieber Vögel ausstopft und mit seiner Mutter diskutiert, als sich um seine Gäste zu kümmern. Was als kleine Fluchtgeschichte beginnt, mündet unter dem schneidenden Wasserstrahl einer Dusche in einer Szene, die als wahrer Fetisch der Filmgeschichte und Mutter aller Slashersequenzen bezeichnet werden kann. Von da an begibt sich der Film auf die verschlungenen Wege einer beschädigten Psyche, bei der Sir Alfred Hitchcock einmal mehr genüsslich in den freudschen Untiefen herumstochert. Denen seiner Protagonisten und denen des Publikums. Damit begründete er auch eine ganze Tradition des Horrorfilms, wo das wahre Grauen nicht irgendwo da draussen, sondern in unseren Köpfen lauert. «She just goes a little mad sometimes. We all go a little mad sometimes», entschuldigt Bates seine Mutter. (tb)
Drehbuch: Joseph Stefano, nach dem Roman von Robert Bloch
Kamera: John L. Russell
Musik: Bernard Herrmann
Schnitt: George Tomasini
Mit: Anthony Perkins (Norman Bates), Janet Leigh (Marion Crane), Vera Miles (Lila Crane), John Gavin (Sam Loomis), Martin Balsam (Milton Arbogast), John McIntire (Sheriff Al Chambers), Lurene Tuttle (Mrs. Chambers), Patricia Hitchcock (Caroline), Alfred Hitchcock (Mann mit Cowboyhut)
109 Min., sw, DCP, E/d