«Der britische Schriftsteller George Orwell erkannte früh, dass systematisches Lügen das zentrale Mittel autoritärer Systeme ist – jener Art von Systemen, die darauf bestehen, dass zwei plus zwei fünf ergibt, und diese ‹Wahrheit› wenn nötig mit Gewalt durchsetzen. Orwells dystopische Romane ‹Animal Farm› und ‹1984› aus den 1940er-Jahren, die auch aus seiner Scham darüber entstanden, selbst an der imperialen Polizeimaschinerie Indiens in Burma mitgewirkt zu haben, hatten eine solche Wirkmacht, dass ‹orwellsch› heute noch ein Synonym für repressive staatliche Kontrolle ist. Der haitianische Filmemacher Raoul Peck spürt Orwells Leben und Werk in einer kühnen Collage aus Filmausschnitten und Nachrichtenmaterial nach, die als eindringliche Warnung dient. Szenen aus verschiedenen Verfilmungen von ‹1984› und die Slogans des ‹Ministeriums für Wahrheit› werden mit der Ideologie und den Lügen von Trump und Co. versatzstückt und klug in den grösseren Kontext mörderischer Regimes im Laufe der Geschichte und von deren ähnlicher Verzerrung der Wahrnehmung durch Sprache gestellt. Mit dem Aufstieg der sozialen Medien und ihrer Tech-Oligarchie, die wenig Wert auf Faktenprüfung oder KI-Regulierung legt – das zeigt Peck eindrücklich auf –, ist Wahrheit zerbrechlicher denn je.» (Carmen Gray, New Zealand International Film Festival)
Drehbuch: Raoul Peck
Kamera: Benjamin Bloodwell, Stuart Luck, Julian Schwanitz
Musik: Alexei Aigui
Schnitt: Alexandra Strauss
Mit: Damian Lewis (George Orwell (Voice-over))
119 Min., Farbe, DCP, OV/e