«Chabrols zweiter Spielfilm mit Isabelle Huppert in der Hauptrolle greift erneut einen wahren Kriminalfall auf – die Geschichte einer der letzten Frauen, die in Frankreich hingerichtet wurden, während der Kollaborationszeit des Vichy-Regimes, einer historischen Periode, zu der Chabrol immer wieder obsessiv zurückkehrt. (Das Fallbeispiel dieses Films, der beim Erscheinen heftige Proteste in Frankreich auslöste, erklärt anschaulich, warum.) Huppert gibt abermals eine faszinierend undurchsichtige Darstellung, als Hausfrau der Arbeiterklasse, die einer Nachbarin mit einer Abtreibung aushilft und bald erkennt, dass sie auf eine Goldgrube gestossen ist. Während das Geschäft blüht (nebenbei werden Zimmer an Prostituierte vermietet), kehrt der Mann aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Finanziell wie sexuell überflüssig geworden, verrät er sie an die Behörden, die ein Exempel an ihr statuieren. Chabrols stärkster Film der 80er-Jahre, völlig unsentimental im Duktus und meisterhaft in der Mise en Scène.» (Österreichisches Filmmuseum, Apr 2006)
Drehbuch: Colo Tavernier O’Hagan, Claude Chabrol, nach Motiven eines Romans von Francis Szpiner
Kamera: Jean Rabier
Musik: Matthieu Chabrol
Schnitt: Monique Fardoulis
Mit: Isabelle Huppert (Marie Latour), François Cluzet (Paul Latour), Marie Trintignant (Lulu), Nils Tavernier (Lucien), Marie Bunel (Ginette), Dominique Blanc (Yasmine)
110 Min., Farbe, DCP, F/d