«Round Midnight ist ein Drama, das in den Jazzclubs von Paris Ende der 1950er-Jahre spielt: Der echte Jazz-Tenorsaxofonist Dexter Gordon spielt die Hauptrolle als Dale Turner — ein gescheiterter ehemaliger Musiker, der seine missliche Karriere in Alkohol und Drogen ertränkt und seine Abende damit verbringt, mit seinen Freunden im legendären Club Blue Note in Saint-Germain zu jammen. Eines Nachts kreuzen sich zufällig die Wege Turners und Francis Boriers, eines erfolglosen Grafikdesigners, der den Saxofonisten auf dem Höhepunkt seiner Karriere einst verehrt hatte. Aus dieser flüchtigen Begegnung erwächst langsam eine Freundschaft, in deren Verlauf die beiden Männer über die Brüche in ihren Biografien, die Liebe und die Musik nachdenken. Im Film spielten zahlreiche weitere bekannte Jazzmusiker mit, (…) wobei besonderes Lob dem altersmüden Gordon zuteilwurde, der für seine Darstellung eine Oscarnominierung als bester Hauptdarsteller erhielt.» (Jonathan Broxton, moviemusicuk.us, Okt 2016)
Als Coda der Reihe verschiebt Round Midnight den Blick: weg vom Jazz als Chiffre für Modernität, Coolness und urbane Freiheit hin zu den Körpern, die diesen Mythos getragen haben. Bertrand Tavernier blickt 1986 auf eine Welt zurück, die viele frühere Filme noch als Gegenwart zeigen – nun aber gezeichnet von Alter, Erschöpfung, Exil, Abhängigkeit und ökonomischer Unsicherheit. Mit Dexter Gordon verkörpert kein Schauspieler diese Geschichte, sondern ein Musiker, dessen Biografie in die Rolle eingeschrieben ist. So wird der Film zur melancholischen Rückschau auf den Jazz nach seinem kulturellen Höhepunkt: nicht als Ende, sondern als Nachleben einer Moderne, deren Glanz und Verschleiss nicht mehr voneinander zu trennen sind. (nr)
Drehbuch: David Rayfield, Bertrand Tavernier
Kamera: Bruno de Keyzer
Musik: Herbie Hancock
Schnitt: Armand Psenny
Mit: Dexter Gordon (Dale Turner), François Cluzet (Francis Borier), Gabrielle Haker (Bérangère), Sandra Reaves-Phillips (Buttercup), Lonette McKee (Darcey Leigh), Christine Pascal (Sylvie), Herbie Hancock (Eddie Wayne), Bobby Hutcherson (Ace), Philippe Noiret (Redon), John Berry (Ben), Martin Scorsese (Goodley)
131 Min., Farbe, 35 mm, E+F/d/f, 12 J