Nach langer Alkohol- und Tablettensucht nimmt sich Hannelore Jurschick im Alter von 42 das Leben. Ihre 14-jährige Tochter wächst im Schweigen über den Suizid auf. Über 20 Jahre später sucht sie ihren inzwischen 91-jährigen Vater in der unveränderten Wohnung auf. Mit Videokamera beginnt Jurschick, ihre Familiengeschichte zu rekonstruieren: Sie beobachtet den Vater im Alltag, befragt ihn über die Ehe und den Tod der Mutter, nutzt Briefe und Archivmaterial. Im Off-Kommentar spricht sie von «dem Mann», «der Frau» und «dem Kind» – eine sprachliche Distanzierung, die bei unerbittlichen Nachfragen aufbricht. Indem Jurschick ihre Familie schonungslos zur Disposition stellt, legt sie Nachwirkungen des Nationalsozialismus in der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft frei. Aus privater Spurensuche entsteht ein Familienporträt – geprägt von autoritär-patriarchalen Strukturen, tradierten Rollenbildern, emotionaler Vergletscherung, Verhärtung und Verdrängung. (df)
Drehbuch: Karin Jurschick
Kamera: Karin Jurschick
Schnitt: Bettina Böhler
72 Min., Farbe, 35 mm, D