Im New York der späten 1950er leben die Geschwister Ben, Hugh und Lelia zwischen Jazzclubs, Partys und ziellosen Streifzügen durch Manhattan. Die hellhäutige Lelia beginnt eine Beziehung mit dem weissen Tony, die jedoch abrupt ins Wanken gerät, als der junge Mann ihrem dunkelhäutigen Bruder Hugh begegnet und mit ihrer afroamerikanischen Herkunft konfrontiert wird. Zugleich kämpft Hugh als Jazzsänger um Anerkennung, während Ben mit Freunden durch die Stadt driftet. John Cassavetes arbeitete für sein Regiedebüt mit überwiegend nicht professionellen Darsteller:innen und einem weitgehend aus Laien bestehenden Team. Gedreht wurde an Originalschauplätzen in Manhattan. Entstanden ist ein eindringliches und kompromissloses Werk, das als Wegbereiter der amerikanischen Independentfilm-Bewegung gilt. (nr)
«Man könnte argumentieren, dass ein Teil dessen, was vor einem halben Jahrhundert zweifellos als grenzüberschreitend galt, heute klassisch wirkt, während bestimmte andere Elemente, die damals offenbar niemand bemerkte – allen voran Charles Mingus’ herausragende Jazz-Filmmusik –, heute wahrhaft experimentell erscheinen. (…) Was diese Filmmusik so besonders macht, ist die Art und Weise, wie sie in regelmässigen Abständen Kommentare zu den Figuren und dem Geschehen abgibt, sodass eine gedämpfte Trompete (wahrscheinlich Clarence Shaw), die Tony Rays Stimme in einem Telefongespräch ersetzt, zu einer Verhöhnung sowohl der Figur als auch ihrer Überheblichkeit wird, ähnlich wie ein Posaunensolo von Jimmy Knepper, das bei derselben Figur etwas später erklingt und mit dem dasselbe Verfahren, wenn auch weniger aggressiv und deutlich, nochmals einsetzt.» (Jonathan Rosenbaum, jonathanrosenbaum.net, Sep 2024)
Drehbuch: John Cassavetes
Kamera: Erich Kollmar
Musik: Charles Mingus
Schnitt: Maurice McEndree
Mit: Hugh Hurd (Hugh), Lelia Goldoni (Lelia), Ben Carruthers (Ben), Anthony Ray (Tony), Dennis Sallas (Dennis), Tom Allen (Tom), David Pokitillow (David)
87 Min., sw, 35 mm, E/d/f, J/14