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Premiere: The Visit

Was wäre, wenn ...

... ein Ausserirdischer auf der Erde landete? In The Visit, dem zweiten Film seiner «Trilogy of Mankind», stellt der Dokumentarfilmer Michael Madsen designierten Fachleuten diese Frage. Die Antworten enthüllen mehr über uns Erdlinge als über mögliche Gäste aus dem All. Ausserirdische haben im Film eine lange Tradition, in erster Linie im Science-Fiction-Genre, das bekanntlich von Dingen erzählt, die es (noch) nicht gibt. Ziemlich widersinnig scheint es dagegen, über Wesen von einem anderen Stern einen Dokumentarfilm zu drehen, geht es in dieser Gattung doch um die Wiedergabe der Realität.
Marsmenschen zeigt der dänische Regisseur Michael Madsen in seinem Film selbstverständlich keine. The Visit ist vielmehr eine Dokumentation im Konjunktiv, ein Was-wäre-wenn-Film. Was wäre, wenn tatsächlich ein Ausserirdischer auf die Erde käme? Reale Menschen, Fachleute und Funktionäre aus den unterschiedlichsten Bereichen, reagieren in Madsens Film auf diese hypothetische Situation, entwerfen Strategien, spielen mögliche Szenarien durch.
Für Madsen selbst wäre der Erstkontakt mit Ausserirdischen schlicht der aussergewöhnlichste Moment in der Geschichte der Menschheit. Seine Akteure – Wissenschaftler, Politikerinnen, ein Priester – geben sich teilweise prosaischer. So sind die beiden Berater des englischen Premierministers, die im Film zu sehen sind, vor allem darum bemüht, Panik zu vermeiden, und spielen die Tragweite des Ereignisses entsprechend herunter. Also: Nur so viel zugeben, wie unbedingt nötig ist, ansonsten betonen, dass man die Situation im Griff hat, obwohl man in Wirklichkeit im Dunkeln tappt.
Es ist dies nicht der einzige absurde Moment in The Visit. Nicht zuletzt der Gegensatz zwischen den stilisierten zeitmanipulierten Aufnahmen, die die Sicht des Ausserirdischen wiedergeben, und den betont nüchternen Interviews macht anschaulich, wie unfassbar Madsens Szenario im Grunde ist.
Bereits sein letzter Kinofilm wies Science-Fiction-Anklänge auf. Into Eternity aus dem Jahr 2010 beschäftigte sich anhand des weltweit ersten Endlagers für radioaktive Abfälle, das derzeit in Finnland gebaut wird, mit der Frage, wie man die strahlenden Substanzen über Zehntausende von Jahren hinweg sicher lagern kann. Dazu wäre es zum Beispiel nötig, die Stätte mit Warnzeichen zu versehen, die auch in Tausenden von Jahren verstanden würden. Mit anderen Worten: Es geht um Kommunikation mit Bewohnern einer fernen Zukunft, von der wir nicht einmal wissen, ob sie je eintreten wird.
The Visit ist also in dieser Hinsicht die logische Fortsetzung von Into Eternity. Wieder geht es um die Frage, wie man mit Wesen in Kontakt tritt, von denen man nichts weiss, und wie diese auf die Kontaktnahme reagieren würden. Die Antworten, die wir im Film bekommen, sagen letztlich sehr viel mehr aus über uns Menschen als über mögliche Aliens.
Für den nächsten Film, der seine «Trilogy of Mankind» abschliessen soll, will Madsen den Spiess umdrehen: In Odyssey wird es um ein sogenanntes Generationenschiff gehen, ein bemanntes Raumschiff, das die jahrhundertelange Reise zu einem anderen Sonnensystem bewältigen soll. Die Aliens sind dann wir selbst.
Simon Spiegel

Simon Spiegel ist Filmwissenschaftler und Journalist in Zürich.

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