29. Pink Apple – Queeres Filmfestival: Monika Treut – Vielseitige Pionierin des New Queer Cinema
Seit den 1980er-Jahren prägen die Spiel- und Dokumentarfilme der deutschen Regisseurin, Autorin und Filmproduzentin Monika Treut das queerfeministische Kino. Ihr filmisches Werk ist nicht nur genre-, sondern auch länderübergreifend; während der Coming-of Age-Film Von Mädchen und Pferden (2014) auf einen Hof in Nordfriesland führt, begleiten die Dokumentarfilme Gendernauts (1999) und Genderation (2021) Protagonist:innen aus der trans Community in San Francisco. Ihr neuster Film, Cooking Up Democracy (2026), gibt Einblick in die aktivistische Szene in Taiwan. Für dieses beeindruckende Lebenswerk verleiht ihr das Pink Apple am 4. Mai den «Golden Apple 2026». Begleitend zeigt das Festival im Filmpodium ausgewählte Filme der Preisträgerin. Wie in den vergangenen Jahren werden zudem zwei Kinopremieren präsentiert, deren Titel erst kurz vor der Aufführung bekannt gegeben werden.
Das Pink Apple Filmfestival ehrt mit Monika Treut eine Vorreiterin des New Queer Cinema. 1954 in Mönchengladbach (Nordrhein-Westfalen) geboren, studierte Monika Treut Germanistik und Politikwissenschaft in Marburg. Bereits während ihres Studiums verfolgte sie ihre Leidenschaft für Video und Film, so arbeitete sie in mehreren Medienzentren, bevor sie 1979 nach Hamburg zog und das feministische Medienzentrum Frauenmedienladen Bildwechsel mitgründete. 1984 startete sie gemeinsam mit der Regisseurin und Kamerafrau Elfi Mikesch die unabhängige Produktionsfirma Hyäne I/II (heute Hyena Films). Die beiden produzierten gemeinsam eine Reihe von Spielfilmen mit Mikesch hinter der Kamera, darunter Treuts ersten Spielfilm, Verführung: Die grausame Frau (1985). Monika Treuts Filme scheinen ihrer Zeit oftmals voraus; sie handeln auf radikale Weise von Frauen, die ihre Sexualität und ihr queeres Begehren selbstbewusst ausleben. Die unverhüllten Darstellungen von Sexualität und BDSM-Erotik in Verführung lösten nach Erscheinen starke Reaktionen in der deutschen Filmszene aus. Monika Treut liess sich davon nicht beirren – 1989 zog sie in die USA, wo ihre Filme grosse Resonanz fanden und wo sie über die Jahre an verschiedenen amerikanischen Colleges unterrichtete. Hier traf sie die Protagonist:innen ihrer Dokumentationen wie die Performancekünstlerin Annie Sprinkle oder die einflussreiche Gender- Theoretikerin Susan Stryker. Der 1999 erschienene und mehrfach preisgekrönte Dokumentarfilm Gendernauts – eine Reise durch die Geschlechter gilt als Meilenstein und bietet einen faszinierenden und verspielten Einblick in die trans Szene im San Francisco der 90er-Jahre. Unter anderem erhielt Gendernauts 1999 an der Berlinale den Teddy Award als bester Dokumentarfilm. Als Dokumentar Regisseurin zeichnet sich Monika Treut durch die enge Bindung zu ihren Protagonist:innen aus; oftmals entstehen aus den Drehs lebenslange Freundschaften. Aus diesen Beziehungen entwickelte sich dann über zwanzig Jahre nach Gendernauts auch die Fortsetzung Genderation. 2017 wurde Monika Treut an der Berlinale mit dem Teddy Special Award für ihr Lebenswerk ausgezeichnet – dieses ist aber noch lange nicht abgeschlossen. Als Mitglied der Deutschen Filmakademie, der Freien Akademie der Künste in Hamburg und des Vereins ProQuote Film, der sich für die Erhöhung des Frauenanteils in der Filmproduktion einsetzt, prägt sie weiterhin die deutsche Filmszene und macht nach wie vor Filme, die Tabuthemen ansprechen und queere Stimmen ins Zentrum rücken. So schenkt ihr neuster Dokumentarfilm, Cooking Up Democracy, einen Einblick in die facettenreiche queere und aktivistische Szene Taiwans.
Emilia Maier
Emilia Maier, Literaturwissenschaftler:in und Mitglied des «Fokus & Events»-Team am Pink-Apple-Filmfestival.