«Art is not just mirroring life, it is confronting people with it.» – Lino Brocka verstand Kino nicht als Abbild oder gar Flucht, sondern als Eingriff und als Haltung. Mit seinen Filmen berührte und rüttelte er auf – und erreichte ein Millionenpublikum. Brocka erzählt von Leben, das unter Druck steht – und von den Strukturen, die diesen Druck erzeugen, von Klassengesellschaft, Ausbeutung, Korruption und Heuchelei. Er gilt als der wichtigste Filmemacher der Philippinen. Für viele war er aber weit mehr: «Papa Lino», eine moralische Instanz. Seine Filme sind prall gefüllt mit Leben und Leid: Neorealismus trifft Melodram, trifft Genre – unmittelbar, emotional, körperlich. Gedreht für ein breites Publikum, das die eigene Realität auf der Leinwand wiederfand. Weil er Missstände direkt ansprach, waren viele seiner Filme im eigenen Land, insbesondere während der Marcos-Diktatur, zensiert oder verboten – an internationalen Festivals aber, wurden sie gefeiert. Zahlreiche seiner Filme sind heute verloren. Umso mehr freuen wir uns, dass unsere Retrospektive zentrale Werke in neuen Restaurierungen auf die Leinwand bringt und die Gelegenheit bietet, das kraftvolle Kino von Lino Brocka zu entdecken.