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Ich wurde geboren, aber...
(Umarete wa mita keredo)
Yasujiro Ozu (Japan 1932)

English text below

Die beiden Brüder Ryoichi und Keiji sind mit ihren Eltern in einen Vorort von Tokio umgezogen, müssen sich dort aber erst einmal in der Gang der Nachbarsbuben einen Platz erkämpfen. Als sie sich einen gewissen Respekt in der Bande erworben haben, entdecken die beiden während einer Filmvorführung, dass ihr strenger, ehrbarer Vater sich vor dem Direktor seiner Firma devot und duckmäuserisch zum Clown macht: Für die Jungen bricht eine Welt zusammen.
Mit feinem Humor und psychologischer Genauigkeit inszenierte Yasujiro Ozu die Situation der japanischen Familie aus der Sicht von Kindern. Ozu wollte angeblich eine Komödie über Kinder machen; daraus wurde ein Drama über Erwachsene und übers Erwachsenwerden.
«Ozus Meisterwerk Ich wurde geboren, aber..., sein erster Kassenerfolg, ist ein guter Einstieg in seine faszinierende Welt. Es ist ein lustiger, kluger und frischer Film. (...) Ozus Filme entspringen dem, was die Japaner ‹mono no aware› nennen, diesem Gefühl, dass das Leben im Wesentlichen statisch und traurig ist. (...) Die Aufnahmen in Ich wurde geboren, aber... sind wunderschön; sie sind aus einer anderen Höhe gefilmt als in den meisten westlichen Filmen; die Beine des Stativs, das der Kameramann und Cutter Hideo Shigehara verwendete, sind absichtlich kürzer eingestellt (...). Ozus abgesenkter Horizont hat eine dreifache räumliche Wirkung: Erstens setzt er den Schwerpunkt der Figuren (den Nabel) in die Mitte des Filmbildes, was zur Folge hat, dass keine anderen Filmbilder so ruhig (...) sind wie diese. Zweitens neigt die Kamera dazu, leicht nach oben zu blicken, folglich ist der Boden weniger zu sehen, (...) was Ozus Figuren eine Schwerelosigkeit verleiht. Drittens wird ein neuer Raum über der Kamera erschlossen, die Zimmerdecken werden gezeigt; Ozu war einer der ersten Regisseure, die darauf bestanden, dass die Innendekors mit Decken gebaut wurden.» (Mark Cousins: The Story of Film, Pavilion 2020)

"Ozu's first box office hit, I Was Born, But … is a good introduction to this fascinating world. It is a funny, wise and fresh film about two brothers who go to a new school, are bullied and realize that power in life comes from how strong you are and how many pigeon eggs you can eat. Following this ethos, they themselves become bullies, and when they discover that their father, Mr Yoshii, is subservient to his boss, they are ashamed and go on hunger strike. Gradually they start to understand an important lesson of the adult world: that it is money and social standing that gain respect. (…) The shots in I Was Born, But … are beautiful and unlike almost any sequences in Western cinema. They are filmed from a different height from most Western films and the legs of the tripod used by his cinematographer and editor, Hideo Shigehara, are purposefully set much shorter (…). Ozu's lowered horizon has a threefold spatial effect. First, it sets the human being's centre of gravity (the navel) at the centre of the movie frame. The result of this is that no images in world cinema are more at rest (…). Secondly, the camera tends to look up slightly in order to frame its characters and consequently the ground features much less in medium and even wide standing shots. (…) This gives Ozu's characters a weightlessness absent from more grounded cinema tradition. Thirdly, a new area of space above the camera is opened up; ceilings are shown in interiors and Ozu was one of the first directors in the world to insist that his interior sets were built with them." (Mark Cousins: The Story of Film, Pavilion 2020)

Drehbuch: Akira Fushimi, Geibei Ibushiya, nach einer Konzeption von James Maki (=Yasujiro Ozu)
Kamera: Hideo Shigehara
Schnitt: Hideo Shigehara

Mit: Tatsuo Saito (Kenosuke Yoshii, der Vater), Mitsuko Yoshikawa (Eiko Yoshii, die Mutter), Tokkan Kozo (Keiji, der jüngere Sohn), Hideo Sugawara (Ryoichi, der ältere Sohn), Takeshi Sakamoto (Direktor Iwasaki), Teruyo Hayami (Fujin, seine Frau), Seiji Nishimura (Sensei, der Lehrer)

100 Min., sw, 35 mm, stumm, jap. Zw'titel/d/f

Spieldaten
Di.,
22.6.2021
18:00
Stummfilm mit Shirley Anne Hofmann am Piano