Digna Sinke geht aufs Ganze. In ihrem neusten Werk Key to Heaven lässt die Filmemacherin die Grenzen zwischen Spiel- und Dokumentarfilm weit hinter sich und verwebt vor dem Hintergrund der Energiewende im Amsterdamer Hafen die erfundene Geschichte um eine Industriefotografin mit der eigenen. Entstanden ist ein hellwaches, poetisches Meisterwerk über Festhalten und Loslassen – vielleicht der Kulminationspunkt ihres Schaffens. Seit den frühen 70ern ist für die Grande Dame des niederländischen Films die flache heimatliche Landschaft der Ausgangspunkt ihrer Arbeiten; die vorgefundene und die vom Menschen gestaltete Natur, Industrie- und Agrarlandschaften und die Frage, was das eine mit dem anderen macht. Die Topografie des Landes wird bei Sinke zum Spiegel der Seelenlandschaft. Traumata und Verletzungen graben sich in beides ein. Egal ob sie sechs Menschen mit verfrühter Midlife-Crisis auf Fernwanderung schickt, das Sammeln als widerständigen Akt gegen das Vergehen der Zeit porträtiert oder die Renaturierung einer Agrarinsel und die Umwandlung zum Freizeitpark festhält – Sinke erzählt mit präzis kadrierten Bildern, kompromisslos und im festen Glauben, dass wir uns der Zukunft stellen können. Widerstandsfähig und verletzlich. Am 11. Juni ist sie zur Premiere ihres neusten Films und für eine kleine Werkschau im Filmpodium zu Gast.