Tiere sind heute allgegenwärtig – in Filmen, auf spektakulären Wild-Life- Fotografien und in lustigen Youtube-Videos. Aber eigentlich, so argumentierte John Berger schon 1970 in seinem Essay «Why Look at Animals?», ist diese Omnipräsenz ein Zeichen von Verlust. Während nicht zweckgebundene Tiere aus unserem Alltag weitgehend verschwunden sind, kehren sie als Bilder zurück: Der Film ist der kontrollierte Ort, an dem die Begegnung mit dem Tier neu inszeniert wird – zwischen Sehnsucht, Faszination, Projektion und Entfremdung. Das Filmpodium macht sich auf Spurensuche durch 100 Jahre animalische Kinogeschichte – und leuchtet dabei zwischen Spielfilm und klassischer Dokumentation auch in obskurere Winkel. Als Ausgangspunkt steht die Schweizer Premiere von Werner Herzogs neustem Film Ghost Elephants, einer mythomanisch anmutenden Suche nach einem riesigen Geister-Elefanten in Angola, in dem es nicht zuletzt auch um die Frage geht, was uns diese Bilder schenken.